Die Waldfunktionen

 

Auch heute hat der Wald als Lieferant des umweltfreundlichen Rohstoffs und Energieträgers Holz noch erhebliche wirtschaftliche Bedeutung. Aber die Schutz- und Erholungsfunktion haben in einem so dicht besiedelten Land wie Deutschland stark an Bedeutung gewonnen. Heute ist Multifunktionalität gefragt - der harmonische Dreiklang der ökologischen, ökonomischen und sozialen Funktionen des Waldes.

 

Die Nutzfunktion

 

Unter der Nutzfunktion versteht man die wirtschaftliche Bedeutung des Waldes:

 

•Er liefert den nachwachsenden, umweltfreundlichen und kohlendioxidneutralen Rohstoff und Energieträger Holz,

 

•ist dabei Rohstoffbasis für die heimische Holz- und Papierwirtschaft,

 

•ist Grundlage für die Einkommen der Waldbesitzer und

 

•stellt Arbeitsplätze gerade im strukturschwachen ländlichen Raum bereit.

 

Die Schutzfunktion

 

Der Wald erfüllt außerdem eine Vielzahl von Funktionen, die dem Schutz von Mensch und Umwelt dienen:

 

•Er reguliert den Wasserhaushalt und sichert unsere Trinkwasserversorgung,

 

•schützt vor Geröll- und Schneelawinen sowie vor Erosion,

 

•wirkt ausgleichend auf unser Klima und reinigt die Luft,

 

•bindet Kohlendioxid in der Biomasse und trägt dadurch zur Verminderung des sogenannten Treibhauseffektes bei,

 

•schützt vor Lärm, Immissionen und manch hässlichem Anblick

 

•trägt wesentlich zum Biotop- und Artenschutz bei und hat positive Auswirkungen auf das Landschaftsbild.

 

Die Erholungsfunktion

 

In Deutschland hat die Bedeutung des Waldes als Erholungsraum in den letzten 30 Jahren stetig zugenommen. In Waldgebieten, die sich in der Nähe von Ballungsräumen befinden, wird die Erholungsleistung vielfach sogar als die bedeutendste Waldfunktion angesehen.

 

Die Aktivitäten zur Erholung sind dabei vielfältig und reichen vom einfachen Spazierengehen, Wandern, Joggen oder Radfahren bis zum Reiten, Mountainbiking, Orientierungslauf bis zum in neuerer Zeit aufkommenden Geocaching oder E-Biken. Klettern, Segelflug oder Gleitschirmfliegen bleiben einigen wenigen Stellen vorbehalten. Vor allem die Trend- und Funsportarten stellen neue Herausforderungen an die Lenkung der Besucherströme dar. Wesentliche Erholungsfaktoren sind vor allem der heterogene Wald selbst, möglichst mit Ausblicken in die Landschaft und die Forstwege als „Verkehrsachsen“.

 

Die Waldfunktionskartierung 

 

Um die Funktionen in den einzelnen Waldgebieten optimal erfüllen zu können und im Bedarfsfall die richtigen Entscheidungen vor Ort treffen zu können, nehmen zumindest die öffentlichen Forstbetriebe der Länder eine Waldfunktionsplanung vor. In den Waldfunktionskarten, die auf einer Waldfunktionskartierung im Zuge der Forsteinrichtung basieren, werden für die Wälder die Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen dargestellt und bewertet. Die Waldfunktionskarte stellt neben den Waldflächen mit besonderer Bedeutung für einzelne Waldfunktionen auch die Topographie und geschützte Gebiete wie Naturwaldreservate, Wasserschutzgebiete, Bodendenkmäler oder Naturschutzgebiete dar.

 

Um die Zielsetzungen in den einzelnen Waldgebieten und die Erfüllung der geforderten Waldfunktionen im Blick zu haben und die richtigen Entscheidungen zu treffen, bedarf es eines erhöhten Maßes an Aufmerksamkeit und Fachwissen bei den forstlich Verantwortlichen und erfordert eine komplexe, fachübergreifende Betrachtungsweise. Den Wald nur aus einem einzigen Blickwinkel und eventuell mit einseitigem Fachwissen zu betrachten und zu beurteilen, mag eine einzelne Waldfunktion nach vorn bringen, lässt aber die anderen Waldfunktionen ins Hintertreffen geraten und kann sogar zu einer Abkehr von der Nachhaltigkeit führen. Die nachhaltige Erbringung aller Waldfunktionen auf der ganzen Fläche ermöglicht die multifunktionale Forstwirtschaft.